Carl-Legien-Siedlung, Berlin
Carl-Legien-Siedlung, Berlin

Zur Geschichte der Wohnstadt Carl Legien

In der Zeit vor der Errichtung der Wohnstadt Carl Legien herrschte im Berlin der 1920er Jahre große Wohnungsnot; Industrialisierung und Landflucht sorgten dafür, dass für rund 130.000 Menschen Wohnraum fehlte.

Das Wohnungsbauprogramm der Weimarer Republik sah es als soziale Aufgabe des Staates, hier Abhilfe zu schaffen. Es wurde Bauland vom Brauereibesitzer Julius Bötzow für die GEHAG (Genossenschaft Gemeinnützige Heimstätten-, Spar- und Bau-Aktiengesellschaft, eine gewerkschaftsnahe Genossenschaft) erworben, und Baustadtrat Martin Wagner beauftragte den Chefarchitekten der GEHAG, Bruno Taut, und den Leiter des Entwurfsbüros der GEHAG, Franz Hillinger, mit der Umsetzung des seit 1925 vorliegenden Entwurfs von Bruno Taut für eine kompakte Großstadtsiedlung.

Bis 1930 wurde die Wohnstadt innerhalb der bereits vorhandenen Randstraßen und Achsen rund um die Carmen Sylvia Straße (heute Erich-Weinert-Straße) fertiggestellt und nach dem Gewerkschaftsführer Carl Legien benannt.

Bruno Taut setzte mit seinem Ensemble einen Maßstab für soziales Bauen im großstädtischen Raum:

Es gelang ihm nicht nur, auf wenigen Quadratmetern vielen Menschen ein Zuhause zu schaffen, sondern gleichzeitig – im Gegensatz zu den engen Mietskasernen mit ihren lichtlosen Hinterhöfen – reformerische Ideen umzusetzen, die allen Wohnungen Luft, Licht und nicht zuletzt eine lebendige Farbigkeit gaben. Jede der 1.149 Wohnungen in den drei paarweise angeordneten, farbigen, U-förmigen Wohnblöcken hat eine große Loggia oder einen Balkon mit Blick in die weitläufigen grünen Gartenhöfe. Ladenpassagen, Einzelläden, eine Leihbücherei und zwei Waschhäuser gaben dem Ensemble seinen Siedlungscharakter.

 

Bruno Taut war außerdem in Entwurf und Ausführung maßgeblich an folgenden Berliner Siedlungen der Moderne beteiligt:

  • Gartenstadt Falkenberg „Tuschkastensiedlung“

  • Schillerpark in Berlin-Wedding

  • „Hufeisensiedlung“ in Britz

  • Teile der Siedlung „Freie Scholle“ in Tegel

  • Waldsiedlung „Onkel Toms Hütte“ Zehlendorf

Insgesamt zeichnete er für 12.000 Wohnungen in Berlin verantwortlich, mehr als 10.000 davon entstanden für die GEHAG.

 

Im II. Weltkrieg nur wenig zerstört, dauerte es dennoch bis in die 1970er Jahre, bis der Siedlung durch die DDR der Denkmalschutz-Status zuerkannt wurde. Vom Farbkonzept Bruno Tauts war zu dieser Zeit kaum noch etwas zu erkennen. 1992 sorgte ein denkmalpflegerisches Gutachten für eine Neubewertung des architektonischen Kleinods, 2006 wurde die Wohnstadt saniert und 2008 zum UNESCO-Welterbe erklärt.

 

KH/2018

 

 

In der Zeit vor der Errichtung der Wohnstadt Carl Legien herrschte im Berlin der 1920er Jahre große Wohnungsnot; Industrialisierung und Landflucht sorgten dafür, dass für rund 130.000 Menschen Wohnraum fehlte.

Das Wohnungsbauprogramm der Weimarer Republik sah es als soziale Aufgabe des Staates, hier Abhilfe zu schaffen. Es wurde Bauland vom Brauereibesitzer Julius Bötzow für die GEHAG (Genossenschaft Gemeinnützige Heimstätten-, Spar- und Bau-Aktiengesellschaft, eine gewerkschaftsnahe Genossenschaft) erworben, und Baustadtrat Martin Wagner beauftragte den Chefarchitekten der GEHAG, Bruno Taut, und den Leiter des Entwurfsbüros der GEHAG, Franz Hillinger, mit der Umsetzung des seit 1925 vorliegenden Entwurfs von Bruno Taut für eine kompakte Großstadtsiedlung.

Bis 1930 wurde die Wohnstadt innerhalb der bereits vorhandenen Randstraßen und Achsen rund um die Carmen Sylvia Straße (heute Erich-Weinert-Straße) fertiggestellt und nach dem Gewerkschaftsführer Carl Legien benannt.

Bruno Taut setzte mit seinem Ensemble einen Maßstab für soziales Bauen im großstädtischen Raum:

Es gelang ihm nicht nur, auf wenigen Quadratmetern vielen Menschen ein Zuhause zu schaffen, sondern gleichzeitig – im Gegensatz zu den engen Mietskasernen mit ihren lichtlosen Hinterhöfen – reformerische Ideen umzusetzen, die allen Wohnungen Luft, Licht und nicht zuletzt eine lebendige Farbigkeit gaben. Jede der 1.149 Wohnungen in den drei paarweise angeordneten, farbigen, U-förmigen Wohnblöcken hat eine große Loggia oder einen Balkon mit Blick in die weitläufigen grünen Gartenhöfe. Ladenpassagen, Einzelläden, eine Leihbücherei und zwei Waschhäuser gaben dem Ensemble seinen Siedlungscharakter.

 

Bruno Taut war außerdem in Entwurf und Ausführung maßgeblich an folgenden Berliner Siedlungen der Moderne beteiligt:

  • Gartenstadt Falkenberg „Tuschkastensiedlung“

  • Schillerpark in Berlin-Wedding

  • „Hufeisensiedlung“ in Britz

  • Teile der Siedlung „Freie Scholle“ in Tegel

  • Waldsiedlung „Onkel Toms Hütte“ Zehlendorf

Insgesamt zeichnete er für 12.000 Wohnungen in Berlin verantwortlich, mehr als 10.000 davon entstanden für die GEHAG.

 

Im II. Weltkrieg nur wenig zerstört, dauerte es dennoch bis in die 1970er Jahre, bis der Siedlung durch die DDR der Denkmalschutz-Status zuerkannt wurde. Vom Farbkonzept Bruno Tauts war zu dieser Zeit kaum noch etwas zu erkennen. 1992 sorgte ein denkmalpflegerisches Gutachten für eine Neubewertung des architektonischen Kleinods, 2006 wurde die Wohnstadt saniert und 2008 zum UNESCO-Welterbe erklärt.

 

KH/2018

 

 

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© Christine Lutter